Architektur des Genossenschaftsbaus

Architektur des Genossenschaftsbaus

Der Architekt gestaltet in diesem Jahrzehnt mehrere Landpostämter (so in Penzberg 1922-23 und in Grünwald 1929-30) "die sich durch knappe, stereometrische Grundformen und schwach geneigte Dächer auszeichnen und die mit der Berücksichtigung regionaler Bautraditionen den Heimatschutzgedanken aufnehmen" (Jan Lubitz). Er zeichnet verantwortlich für die städtischen Postämter in Bad Kissingen (1929-1933) und Augsburg/ Ulmer Straße (1930) sowie für das Postdienstgebäude Schweinfurt (1928-1930). In München baut er die Oberpostdirektion (1922-24), das Paketzustellamt an der Agnesstraße (1925-1926) und die Postämter an der Tegernseer Landstraße (1929-1930), am Harras (1930-1933) sowie am Goetheplatz (1931-1933).

Gerade in München bietet sich Vorhoelzer manchmal die Möglichkeit, ganze Ensembles zu verwirklichen. Dazu gehört die große Versuchssiedlung an der Arnulfstraße. An anderen Standorten kombiniert er Postämter direkt mit Wohneinheiten. "An städtebaulich markanten Stellen schafft Vorhoelzer durch die Gliederung der Postbauten in mehrere Baukörper platzartige Raumsituationen, in denen die Postämter zu neuen Mittelpunkten ihrer Umgebung werden" (Jan Lubitsch). Genau so eine Situation wird mit dem Baublock Harras geschaffen.

Markant an Vorhoelzers Postamtsbauten ist das einheitliche Konzept für die Schalterhallen. Die Räume sind hell, übersichtlich und funktional. Das gesamte Interieur, vom Mobiliar bis zu den verwendeten Typographien, zeigt eine klare, moderne und sachliche Linie. Die Aussage hinter dieser Architektur ist progressiv, eine Absage an wilhelminische Amtsstubenmentalität, Plädoyer für ein Gegenüber von Bürger und Behörde auf Augenhöhe.

1930 folgt Vorhoelzer einem Ruf an die TH München und gibt dafür seine Stellung als Leiter der Hochbauabteilung der Oberpostdirektion auf. Der bei den Studenten beliebte Lehrstuhlleiter etabliert nun, zusammen mit Adolf Abel, an der Münchner Architekturfakultät das moderne Bauen. Vorhoelzer widmet sich dabei gezielt praktischen Fragen, etwa auf dem Feld der Materialkunde und der Raumkonzeption. Politische oder soziale Aspekte sind für ihn kein wesentlicher Gegenstand.

Zerstörung, Wiederaufbau und Ende

Die Fakultät unter German Bestelmeyer war zwar konservativ geprägt, doch hatte Vorhoelzer allen Freiraum zur Verbreitung seiner Ansätze gehabt. Im Oktober 1933 wird dem "Baubolschewisten" Vorhoelzer jedoch von den Nationalsozialisten seine Lehrerlaubnis entzogen. Seiner Tätigkeit als Architekt darf er weiterhin nachgehen, faktisch führt Vorhoelzer in der NS-Zeit jedoch nur die Kirche Maria Königin des Friedens im Münchner Arbeiter-Stadtteil Giesing aus.